Anime Charaktere wirken einfach: ein paar Striche für die Nase, große Augen, spitze oder fließende Haare. Genau diese Einfachheit macht sie aber knifflig. Jede Linie zählt. In dieser Anleitung zeichnest du einen Anime Charakter von der leeren Seite bis zur fertig kolorierten Zeichnung. Du brauchst nur einen Bleistift, einen Radiergummi und Papier, oder irgendeine Zeichen-App.
Das brauchst du
- Einen Bleistift (HB oder 2B) zum Skizzieren, oder eine hell eingestellte Skizzenebene, wenn du digital zeichnest
- Einen Radiergummi
- Einen Fineliner oder einen Inking-Pinsel für die finalen Linien
- Buntstifte, Marker oder eine Zeichen-App zum Kolorieren (optional)
Schritt 1: Die Kopfform zeichnen
Beginne mit einem Kreis für den oberen Teil des Schädels. Danach zeichnest du darunter den Kiefer:
- Zeichne einen Kreis.
- Zieh eine senkrechte Linie durch die Mitte, die unter den Kreis hinausreicht. Das ist die Mittellinie.
- Zeichne von den Seiten des Kreises aus zwei Linien, die schräg nach innen zu einem Punkt auf der Mittellinie laufen. Dieser Punkt ist das Kinn.
Anime-Kiefer sind bei Teenager-Charakteren meist schmal und spitz, bei erwachsenen oder harten Charakteren breiter und kantiger und bei jungen oder niedlichen Charakteren rund.
Schritt 2: Hilfslinien fürs Gesicht einzeichnen
Zeichne eine waagerechte Linie quer durch die Mitte des Gesichts (ungefähr am unteren Rand des Kreises). Das ist die Augenlinie. Anime-Augen sitzen auf oder knapp unter dieser Linie, also tiefer im Gesicht, als viele Anfänger erwarten.
- Die Nase liegt etwa auf halber Strecke zwischen Augenlinie und Kinn.
- Der Mund sitzt etwa ein Drittel des Weges von der Nase zum Kinn.
- Die Ohren kommen seitlich am Kopf zwischen Augenlinie und Nasenlinie.
Skizziere diese Hilfslinien ganz leicht. Du radierst sie später wieder weg.
Schritt 3: Die Augen zeichnen
Die Augen sind das Herzstück des Anime-Stils.
- Zeichne die obere Wimpernlinie. Mach sie dick und leicht gebogen. Sie ist die kräftigste Linie im Gesicht.
- Füge die Iris hinzu. Ein hohes Oval, das die obere Wimpernlinie berührt oder leicht darunter verschwindet.
- Füge die Pupille in der Iris hinzu.
- Füge Glanzlichter hinzu. Ein oder zwei kleine Kreise, die weiß bleiben. Setze sie bei beiden Augen auf dieselbe Seite.
- Zeichne die untere Wimpernlinie. Meist nur eine kurze, dünne Linie oder ein paar kleine Striche.
- Füge Augenbrauen hinzu. Dünne Linien über den Augen. Ihr Winkel zeigt die Emotion.
Halte zwischen den Augen etwa eine Augenbreite Abstand. Größere, rundere Augen wirken jünger und niedlicher, schmalere, schärfere Augen wirken älter oder ernster.
Schritt 4: Nase und Mund
Weniger ist mehr:
- Nase: ein kleiner Punkt, ein kurzer Strich oder ein winziger dreieckiger Schatten. In der Frontansicht reicht oft nur eine Andeutung.
- Mund: ein kurzer Strich für ein neutrales Gesicht. Für ein Lächeln biegst du ihn nach oben, für einen offenen Mund zeichnest du eine kleine Form mit einer Linie für die oberen Zähne oder einem dunkleren Innenraum.
Schritt 5: Die Haare zeichnen
Haare geben einem Anime Charakter am meisten Persönlichkeit.
- Skizziere den Haaransatz ein Stück über den Augenbrauen und zeichne die Haare dann als Masse, die außerhalb des Schädelkreises liegt. Haare haben Volumen und liegen nicht eng am Kopf an.
- Teile die Masse in Strähnen auf. Anime-Haare werden als spitze oder geschwungene Partien gezeichnet, nicht als einzelne Haare.
- Beginne am Scheitel. Zeichne die Strähnen so, dass sie vom Scheitel aus nach außen fließen.
- Variiere die Größen. Mische große Strähnen mit ein paar kleineren, damit es natürlich aussieht.
- Zeichne den Pony zuletzt. Er überlappt die Stirn und manchmal auch die Augen.
Schritt 6: Den Körper zeichnen
Anime-Körper nutzen vereinfachte Proportionen, die in „Köpfen“ gemessen werden (die Höhe des Kopfes vom Scheitel bis zum Kinn):
- Erwachsene Charaktere: etwa 7 bis 8 Köpfe hoch
- Teenager: etwa 6 bis 7 Köpfe hoch
- Kinder: etwa 4 bis 5 Köpfe hoch
- Chibi: etwa 2 bis 3 Köpfe hoch
So zeichnest du den Körper:
- Zeichne ein Strichmännchen, um die Pose festzulegen. Markiere Schultern, Hüften, Ellbogen und Knie.
- Füge einfache Formen hinzu: ein Oval für die Brust, ein kleineres für die Hüfte, Zylinder für Arme und Beine.
- Verbinde die Formen zu einer weichen Kontur.
- Hände und Füße werden oft vereinfacht. Übe sie separat.
Schritt 7: Kleidung hinzufügen
Zeichne die Kleidung über den Körper, nicht anstelle von ihm. Stoff wirft Falten, wo sich der Körper beugt: an den Ellbogen, den Knien, der Taille und unter den Armen. Gib der Kleidung an den Rändern (Kragen, Ärmel, Säume) etwas Dicke, damit sie nicht aufgemalt aussieht.
Schritt 8: Line Art mit Tusche ziehen
Zieh deine finalen Linien mit einem Stift oder einem Inking-Pinsel nach. Tipps für saubere Line Art:
- Variiere die Linienstärke. Nimm dickere Linien für die äußere Silhouette und dort, wo Schatten fallen, und dünnere Linien für Details im Inneren.
- Zeichne aus dem Arm, nicht aus dem Handgelenk, für lange, glatte Kurven.
- Dreh das Papier, damit du immer in deiner bequemsten Richtung zeichnest.
Wenn die Tusche trocken ist, radierst du deine Bleistift-Hilfslinien weg.
Schritt 9: Mit Cel Shading kolorieren
Klassisches Anime-Kolorieren arbeitet mit flächigen Farben und scharfkantigen Schatten:
- Fülle die Grundfarben für Haut, Haare, Augen und Kleidung ein.
- Wähle eine Lichtquelle, zum Beispiel oben links.
- Füge einen Schattenton hinzu, und zwar auf der vom Licht abgewandten Seite: unter den Haaren, unter dem Kinn, in den Falten. Halte die Kanten scharf.
- Füge Glanzlichter in Haaren und Augen hinzu.
Wähle Schattenfarben, die etwas kühler oder gesättigter sind als die Grundfarbe, statt einfach Grau draufzulegen.
Typische Anfängerfehler
- Augen zu hoch. Anime-Augen sitzen etwa in der Mitte des Kopfes.
- Haare zu flach. Denk daran, dass Haare auf dem Schädel sitzen und Volumen haben.
- Steife Posen. Starte mit einer geschwungenen Aktionslinie statt mit einem geraden Strichmännchen.
- Überall dieselbe Linienstärke. Unterschiedliche Strichstärken lassen Zeichnungen professioneller wirken.
- Abzeichnen, ohne zu lernen. Es ist super, Künstler zu studieren, die du liebst, aber übe auch nach der Natur und mit deinen eigenen Ideen.
Übungsideen
- Zeichne dasselbe Gesicht mit sechs verschiedenen Gesichtsausdrücken.
- Zeichne einen Charakter mit fünf verschiedenen Frisuren.
- Zeichne einen Charakter als Chibi-Version neu.
- Entwirf deinen eigenen Anime Original Character (OC). Unsere Anleitung, wie du einen OC erstellst, und die Tipps fürs Charakterdesign können dir dabei helfen.
Du brauchst eine Vorlage zum Üben? Generiere einen originalen Anime Charakter im Anime Charakter Creator und versuch ihn in deinem eigenen Stil zu zeichnen.
FAQ
Wie zeichnet man am einfachsten einen Anime Charakter?
Fang mit einem Chibi an: großer runder Kopf, kleiner Körper und einfache Gesichtszüge. Chibi-Charaktere verzeihen Fehler und bringen dir die Grundlagen von Anime-Gesichtern bei.
Wie lange dauert es, Anime zeichnen zu lernen?
Mit regelmäßigem Üben sehen die meisten Anfänger schon nach ein paar Monaten große Fortschritte. Jeden Tag ein bisschen zu zeichnen bringt mehr als einmal pro Woche eine lange Session.
Brauche ich ein Zeichentablett?
Nein. Papier und Bleistift sind zum Lernen perfekt. Ein Tablett hilft später beim Kolorieren und Bearbeiten, ist aber keine Pflicht.
Wie wirken meine Anime Charaktere einzigartig?
Gib jedem Charakter eine eigene Silhouette, ein typisches Detail und eine Farbpalette, die zu seiner Persönlichkeit passt. Kopiere die Frisuren und Outfits beliebter Charaktere nicht zu direkt.



